Die Blockzeiten für die Unterstufe erhielten am Donnerstag an der Gemeindeversammlung Muri eine komfortable Mehrheit. Auf dem falschen Fuss erwischt wurde der Gemeinderat hingegen von der Opposition gegen das Neubauvorhaben Widmen.

So sollen Gemeindeversammlungen sein: Gespickt mit Spannung versprechenden Traktanden und lebhaften Debatten zwischen dem Gemeinderat und der Bevölkerung. Ein Fest der direkten Demokratie, welches sich als Strassenfeger erwies. Trotz der Konkurrenz durch das WM-Barrage-Spiel der Fussballnati war der Festsaal rappelvoll.
Dem Gemeinderat schwappte beim zweiten Traktandum Unmut entgegen. Der Neubau des Verwaltungsgebäudes Widmen soll den Abteilungen Finanzen und Steuern, Soziale Dienste und der Repol ab 2019 eine neue Heimstätte geben. Nicht weniger als neun Redner traten während der Diskussion um die Vorlage ans Rednerpult. Sukkurs erhielt der Gemeinderat nur von Doris Gasser von der SP. Alle anderen äusserten sich von dezent bis sehr kritisch über das Vorhaben und die Vorgehensweise des Gemeinderates bei der Vergabe des Projekts.

Kulminationspunkt des Trommelfeuers war die Rede von Balz Käppeli, langjähriges Mitglied der Baukommission. Er warf dem Gemeinderat vor, er halte sich nicht ans Pflichtenheft, das er selbst geschaffen habe. «Wie kann es passieren, dass man mit einer Firma ein solches Projekt macht, die keinen Architekten hat?» Angesprochen war das Architekturbüro Beeler, das vor einem Jahr beauftragt wurde, das Vorprojekt zur Projektreife zu bringen. Auch habe Balz Käppeli per E-Mail von befreundeten Architekten wenig schmeichelhafte Rückmeldungen zum Projekt erhalten. «Spekulationsbau wie in den 70er-Jahren» oder «Erledigungsarchitektur» seien die Urteile gewesen.
Architektin Alexandra Schuler war erschrocken über die Visualisierung. Der Bau sei problematisch und füge sich zu wenig ins Ortsbild ein. Sie stellte die Frage: «War die Denkmalpflege eingebunden?» Ein öffentlicher Bau müsse sensibler behandelt werden als ein Zweckbau. Sie äusserte sogar die Befürchtung, das Submissionsgesetz könnte verletzt worden sein. In diesem Falle könne eine Klage drohen.

Text und Bild von Thomas Strebel

Mehr im «Freiämter» vom Dienstag, 14. November 2017