Anlässlich des Jubiläums des Kleintheaters wirft der «Freiämter» einen Blick hinter die Kulissen. Was braucht es, damit das Publikum ­viermal im Winterhalbjahr in den Genuss hochkarätiger Kleinkunst kommt? Ruth und Balz Käppeli, die das Cabarena seit fünf Jahren leiten, erzählen, wie das Programm zustande kommt, welche Vorüberlegungen bei der Künstlerauswahl eine Rolle spielen und was es heisst, ein Kleintheater zu leiten.

Wo holen Sie sich Ihre Ideen?
Die grösste Fundgrube ist das Humorfestival in Arosa, das wir zusammen mit Hans-Peter und Kathrin Strebel, die das Cabarena ins Leben riefen und vor uns leiteten, besuchen. Natürlich fliessen auch unsere persönlichen Interessen ein. Wir gehen viel in andere Kleintheater, beispielsweise ins Casinotheater nach Winterthur. Wichtig sind die Künstlerbörsen, wo jeweils kurze Ausschnitte aus den Programmen präsentiert werden. Auch Inputs von Freunden oder von unseren Cabarena-Besuchern nehmen wir gerne entgegen.

Wie wählen Sie die Künstler aus?
Wir wollen unserem Publikum schlussendlich eine gute Mischung anbieten. Musikcabaret und Wortkunst sollen die Waage halten. Das Niveau muss stimmen. Kleinkunst soll Diskussionen auslösen. Wenn etwas tief in die Materie geht und Emotionen ausgelöst werden, dann ist das Ziel erreicht. Unsere Auswahl soll das Leben auf verschiedenen Ebenen spiegeln und Perspektivenwechsel ermöglichen. Die grösste Herausforderung besteht darin, dass unser Programm nicht nur für die Erwachsenen stimmen soll, sondern auch für die Schülervorstellung geeignet sein muss. Diese Verpflichtung schränkt ein. Stimmt das Niveau auch für die Schüler? Es darf durchaus philosophisch sein und auch intellektuell schwierigere Inhalte geben. Die Schüler reagieren oft überraschend positiv. Jedoch was bei Erwachsenen Diskussionen auslöst, muss bei Jugendlichen noch lange nicht der Fall sein. Kabarettist Peter Spielbauer beispielsweise wünschte uns für diese Entscheidung durchaus mehr Mut, auch mal gewisse Grenzen zu sprengen oder provokativ zu sein.

Mehr im «Freiämter» vom Freitag, 25. August 2017