Die Entwicklung der benachbarten Wirtschaftsräume erhöht den Druck auf die Siedlungspolitik der Oberfreiämter Gemeinden. Eine wachsende Herausforderung für die Gemeinderäte, die am 24. September für die Amtsperiode 2018/2021 gewählt werden.

Es ist eine Binsenwahrheit: Eine höhere Dichte an Menschen bedingt mehr vorausschauendes Denken und Handeln, mehr Respekt und Ernsthaftigkeit im Umgang unter den Anspruchsgruppen. Die Herausforderungen, die sich daraus für die Planung und Weiterentwicklung des Lebensraumes ableiten, lassen sich je länger desto weniger innerhalb politischer Grenzen meistern.
In den 19 Gemeinden des Bezirks Muri lebten Ende 2016 durchschnittlich 254 Einwohner pro Quadratkilometer, Tendenz natürlich steigend. Das Wachstum der Region wird insbesondere durch die benachbarten, dynamisch sich entwickelnden Wirtschaftsräume und durch die gute verkehrstechnische Anbindung nach Aarau/Brugg, Zug, Zürich und Luzern begünstigt.
Diese funktionalen Beziehungen verstärken in den ländlich geprägten Gemeinden des Oberfreiamtes den Entwicklungsdruck deutlicher, «als es gegenwärtig im Raumkonzept Aargau bzw. im kantonalen Richtplan berücksichtigt ist», schreibt der Regionalplanungsverband Oberes Freiamt in seinem «Regionalen Raumkonzept 2040». Es ist offensichtlich – die Zeit drängt.
Die Sorge um den Lebensraum
Das Stapferhaus Lenzburg hat im Vorfeld seiner bis im März 2018 laufenden Ausstellung «Was ist Heimat?» bei tausend Personen eine Umfrage durchführen lassen. Unter den Antworten auf die Frage «Was bedroht Ihre Heimat?» schwangen «Naturzerstörung» (35 Prozent) und «Überbauungen» (28 Prozent) obenaus. Bemerkenswert: «Fremde Kulturen» und «Globalisierung» belegen lediglich die Plätze drei und vier.
Dass sich diese Empfindungen nicht einfach mit der Nostalgie älterer Generationen begründen lässt, zeigen die Resultate der «Denkwerkstatt», welche die Gemeinde Muri vor einigen Tagen im Hinblick auf die Erarbeitung ihres neuen Leitbildes durchführte. Auch wenn die bescheidene Teilnehmerzahl die formulierten Ideen und Impulse nicht in die Höhen einer repräsentativen Befragung zu heben vermag, wird doch deutlich, dass der fortschreitende Verlust an natürlichem Lebensraum die Menschen in der Region beschäftigt.

Mehr im «Freiämter» vom Freitag, 15. September 2017