Die Trychler-Gruppe Rottenschwil holte ein altes Brauchtum ins Dorf und organisierte am vergangenen Wochenende ein Trychler-Fäscht mit allem, was dazu gehört: Festumzug, Unterhaltungsabend und ein Oldtimertreffen lockten zahlreiche Besucherinnen und Besucher an.

Das Schellen, Trychlen und «Geisslechlöpfe» geht auf alte heidnische Bräuche zurück, bei denen man glaubte, mit dem Lärm böse Geister zu vertreiben. Es ist ein weit verbreitetes Brauchtum und auch in der heutigen Zeit erfreut es sich grosser Beliebtheit. Die Trychler-Gruppe Rottenschwil zelebriert diesen Brauch vor allem am Weihnachtsmarkt in Bremgarten. Doch vergangenes Wochenende wurde Rotten­schwil das Zentrum eines Trychler-Fäschts.

Ein altes Brauchtum pflegen

Es brauchte einiges, um den Umzug auf die Beine zu stellen. Unzählige Telefonate wurden geführt, denn es war kein leichtes Unterfangen, genügend Trychler für einen Umzug im Heumonat Juli zu finden.
Nach einem Jahr der intensiven Vorbereitung fand das Trychler-Fäscht in Rottenschwil statt. Schon der Freitagabend mit dem Fyrabig- Bier und Grillbetrieb war ein voller Erfolg. «Die Besucherzahl hat uns sehr überrascht», freute sich OK-Präsident Heinz Münger. Auch am Samstag fanden viele den Weg nach Rottenschwil, um dem Umzug beizuwohnen. Es war eine kleine, aber feine Prozession mit dreizehn verschiedenen Gruppen und rund 250 Akteuren, die bis auf das kleinste Detail durchgeplant worden war.
Die einzelnen Gruppen wurden von Oldtimer-Traktoren angeführt. Auf Hochglanz poliert, mit Blumen geschmückt und mit einer Holztafel, auf dem der Gruppenname stand, versehen, sorgten sie für viel Aufsehen. Gestartet wurde beim Restaurant Hecht Richtung Kirche bis zum Festgelände. Unzählige Passanten säumten die Strassenränder. Es wurde fotografiert, mit Handys gefilmt, zugejuchzt und applaudiert. Schliesslich sieht man nicht alle Tage derart viele Trychler und bei den eher milden Temperaturen wurde der Umzug in vollen Zügen genossen.

Eine ohrenbetäubende Geräuschkulisse

Es war beeindruckend, wie die Formationen, meist in Sennenkutten und einen «Chrummen» im Mund, im Gleichschritt die Strasse entlang liefen. Einige trugen gleich zwei solcher Trychler – mit einem Joch verbunden – auf der Schulter. Sie waren verziert mit bunten Stichen, Beschlägen und Dachshaar, wunderschön anzuschauen und der ganze Stolz ihrer Besitzer. Gruppen unterschiedlicher Grösse präsentierten sich am Umzug und liefen ein­studierte Choreographien. Natürlich durften auch Trachtengruppen nicht fehlen und der Umzug bot eine willkommene Gelegenheit, die schönen Trachten aus dem Schrank zu holen und einem breiten Publikum zu präsentieren.
Wie es sich gehört, fehlten auch die Geisslechlöpfer nicht. Beeindruckend, mit welcher Kraft diese geschwungen wurden, um den ohrenbetäubenden Knall zu erzielen. Während die Geisseln der Innerschweizer mit Leder und Dachshaar verziert waren, fielen jene der Geisslechlöpfer Dintikon eher schlicht aus. Je dicker die Schnur oder der Strick, desto tiefer der «Chlapf». Nach dem farbenfrohen Festumzug ging es ins grosse Zelt, um der Gemütlichkeit zu frönen und sich für den späteren Abend zu stärken. Die Geschwister Betschart und später die jungen Thierseer sorgten für beste Unterhaltung und das Festzelt platzte schon bald aus allen Nähten.