Welches Ausmass haben die Frostschäden? Eine exemplarische Bilanz bei Spargel, Kirschen, Äpfeln und Wein
Die kalten Nächte im April sind bei der zwischenzeitlichen Hitze schon lange vergessen. Allerdings nicht bei den Obst- und
Gemüsebauern. Die Folgen des Frosts sind gerade jetzt für den Verbraucher direkt spürbar.
Beispielsweise bei den Kirschen.

Seit drei Wochen darf sich der Spargel von Familie Bächler im Schweiel nun definitiv erholen. «Die Spargeln wollen nicht mehr, und wir auch nicht, zumindest was das Spargelnschneiden betrifft», lacht Bernadette Bächler. Der Hagel Anfang Juni
setzte der Saison einen endgültigen Schlusspunkt, danach gab es nur noch wenig zu schneiden. Jetzt lässt man das Spargelkraut bis in den Herbst hinein wachsen, damit die Pflanze genug Energie für das neue Jahr sammeln und weitere Wurzeln bilden kann. Frostbedingt wurde dieses Jahr auf dem Spargelhof rund ein Drittel weniger verkauft. Unter dem Strich kam auch weniger Kundschaft, sodass es für jene, die regelmässig kamen, trotzdem immer genug hatte.

70 Prozent Ernteausfall bei Kirschen

Anders sieht es beim Kirschen-Direktverkauf von Anita und Stefan Frey in der Schweielstrasse aus. Hier musste man sich Anfang der Saison vor drei Wochen doch einige Male in Geduld üben, denn es gab frostbedingt deutlich weniger Kirschen im Hofladen. Was es hatte, war schnell ausverkauft und ein Hinweisschild vertröstete einen auf die nächste Woche. «Die Frühsorten geben rund 50 Prozent vom Sollertrag, die Spätsorten nur etwa zehn Prozent», erklärt Stefan Frey. Alles in allem könne er also nur rund ein Drittel ernten. In der Plantage herrscht zurzeit trotzdem emsiger Betrieb, zwei bis dreimal pro Woche wird der Grosshandel beliefert, sodass zehn bis zwölf Erntehelfer und Helferinnen beschäftigt sind. Geerntet wird am Vormittag, es wird lebhaft geplaudert zwischen den Bäumen. Für Rentner Bruno Mäder aus Muri ist die Tätigkeit ein willkommener Ausgleich: «Von berufswegen stehe ich auch heute noch gerne auf der Leiter», schmunzelt er. Die Saison geht bereits in einer Woche zu Ende, verkürzt auch wegen der grossen Hitze.

Überraschungen bei den Äpfeln

Bei Othmar Strebel im Roos hingegen wird es, vermutlich aufgrund der unterschiedlichen Lage, noch zwei Wochen länger Kirschen im Hofladen geben. Die beliebte süsse «Kordia» wird erst in der ersten Ferienwoche geerntet. Mit Sorge hat er die Entwicklung seiner Apfelbäume nach dem Frost verfolgt. Die durch Kälte und Trockenheit geschwächten Bäume haben trotzdem noch genügend Früchte gehabt, um einige abzustossen, den sogenannten Junifall. Trotz der Prophezeihung, dass alle Blüten bei derartig tiefen Temperaturen erfrieren, gab es Überraschungen: «Die sonst sehr ertragreiche ­Sorte «Rubinette» trägt nur zehn ­Prozent, den Jonagold dagegen hat der Frost am 19. April fast nichts ­gemacht», staunt er. Auch bei Golden und Gala kann er mit einem Ertrag von 80 Prozent rechnen. Bei Topaz, Rubinola und Elstar sind es nur 10 Prozent.
Deutlich zu sehen sind die sogenannten Frostringe an den Früchten. Diese Äpfel können zum Teil noch weggeschnitten werden, denn für den Direktverkauf taugen sie nicht mehr. Nun bleibt abzuwarten, wie lange es braucht, bis der Baum wieder ins Gleichgewicht kommt. Es besteht die Gefahr der Alternanz, das heisst, dass die Bäume im Folgejahr nun umso mehr Energie ins Wachstum stecken und fast zu viele Blüten produzieren, sodass es im übernächsten Jahr wiederum einen Ernteausfall geben kann, weil der Baum sich vorher zu sehr ausgepowert hat.

Dieses Jahr kein Murianer Silvaner

Auf den ersten Blick scheint der Murianer Rebberg so auszusehen wie jedes Jahr um diese Zeit, es grünt und wächst. Doch wenn man genauer hinschaut, erkennt man sehr wenige oder gar keine Trauben an den Rebstöcken. Fachmann Rolf Stöckli bestätigt dieses Bild: «Bei den roten Trauben, dem Blauburgunder, gibt es nur etwa 20 Prozent zu ernten, bei den weissen, dem Silvaner, leider gar nichts.» So schlimm sei es noch nie gewesen. Murianer Silvaner wird es in diesem Jahr keinen geben. Der einzige Trost sei, dass die jungen, zweijährigen Rebstöcke den Frost überlebt haben.