Die Gemeindeversammlung fand vor einer spärlichen Kulisse statt, die Rekordhitze forderte ihren Tribut. Wer konnte es denjenigen verübeln, die dem Biergarten den Vorzug gaben vor trockenem Zahlenmaterial und einer nur bedingt hitzige Diskussionen ­versprechenden Traktandenliste. Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger stellte den Rechenschaftsbericht vor. Die Bevölkerungszahl blieb stabil und die Feuerwehr musste weniger ausrücken als im Vorjahr. Die Anzahl Baugesuche blieb unverändert, obwohl es zu Beginn des Jahres noch nach einer Rekordjagd ausgesehen hatte, so Hans-Peter Budmiger. Leider zeigte die Statistik auch, dass in Muri ein Fall von häuslicher Gewalt pro Woche zu verzeichnen war. Ein Wermutstropfen sind auch die ansteigenden Ausgaben für die Sozialhilfe.
Der Gemeindepräsident konnte von erfreulichen Zahlen berichten. «So eine Rechnung zu präsentieren, fällt nicht schwer», frohlockte er. Aus einem budgetierten Verlust wurde ein Betragsüberschuss von 2.53 Millionen Franken. Zu verdanken ist dieses Resultat einem um 1.37 Millionen Franken höheren Fiskalertrag und einem tieferen Nettoaufwand in allen Abteilungen. Der höhere Fiskalertrag ist auf Sondereffekte wie Nachsteuern und Grundstückgewinnsteuern zurückzuführen. «Wir sind nicht ­unglücklich darüber», so Hans-Peter Budmiger über das unerwartete Geschenk. Die Schulden stiegen aufgrund des Finanzierungsergebnisses von minus 6.3 Millionen Franken an, womit jeder Einwohner neu mit 444 Franken verschuldet ist. Gerechnet worden war mit dem doppelten Minusbetrag (12 Millionen Franken). Die Abfallwirtschaft lief so gut, dass der Gemeinderat eine Senkung der Gebühren ins Auge fassen könnte.

Sorgenkinder Soziales und Gesundheit

Die Finanzkommission, präsidiert von Maria Küng, war des Lobes voll für die geleistete Arbeit der Gemeindebehörden. «Die Gemeinde Muri braucht solche Ergebnisse. Sorgen macht der Finanzkommission aber die Kostenentwicklung in den Bereichen Soziales und Gesundheit». Maria Küng sprach damit die Restkosten für die stationäre Pflege an, die um elf Prozent von 700 000 Franken auf 770 000 Franken angestiegen waren. Einen Seitenhieb richtete die Präsidentin an die Führung der umliegenden Gemeinden. «Es kann nicht sein, dass umliegende Gemeinden Leistungen aus Muri zum Beispiel von der Regionalpolizei beziehen, diese aber nicht abgelten». Die kommende Legislaturperiode werde hoffentlich weitsich­tige Gemeinderäte ins Amt bringen, meinte Maria Küng.

100 000 für die Eisbahn Wohlen

Muri möchte einen Beitrag von 100 000 Franken an den Neubau der Eisbahn in Wohlen leisten. Der Gemeindepräsident trug die Argumente vor, die dafür sprechen. Laut einer Erhebung für die Jahre 2010 bis 2016 kommen 8.3 Prozent der Eisnutzer aus dem Klosterdorf. Es handle sich um eine einmalige Zahlung, ziehe also keine Betriebs- oder Folgekosten nach sich und die Murianer Schulen würden von vergünstigten Eintrittspreisen profitieren. Der Antrag kam problemlos durch. Das folgende Traktandum sah eine Erhöhung der Entschädigung für das Gemeinderats-Gremium vor. Nach der Erhöhung würde ein Gemeinderat mit einem 50 Prozent-Pensum mit 40 000 Franken statt mit 35 000 Franken pro Jahr entschädigt. Auch nach dieser Anpassung lägen die Entschädigungen immer noch 40 Prozent unter der Empfehlung der Gemeindeammännervereingung. «Niemand spricht gerne über seinen Lohn», meinte Hans-Peter Budmiger. Bedenken sollten offen diskutiert werden. Nur eine kleine Minderheit stimmt dagegen. Sämtliche Beschlüsse an der Gemeindeversammlung liessen aufgrund der geringen Teilnehmerzahl kein qualifizierendes Mehr zu.

Offene Opposition erfuhr der Gemeinderat an diesem Abend nur, als Robert Ulrich am Rednerpult seine Bedenken gegenüber der geplanten Glassammelstelle an der Kirchbühlstrasse äusserte. Robert Ulrich führte aus, es wäre besser, der Gemeinderat wäre transparenter, die Öffnungsdauer der Sammelstelle am Williweg von aktuell bloss fünf Stunden würde erhöht und die Sammelstelle Kirchbühlstrasse sistiert. Der Gemeindepräsident versprach nur so viel: «Es wird in den nächsten Jahren Bewegung geben am Williweg».
Brun wird ihr Amt nicht vermissen

Die Verabschiedung von Christine Brun aus dem Gemeinderat bildete den Schlussakt der Versammlung. Sie wird durch Beat Küng ersetzt. Ihr Ressort sei eine grosse Herausforderung gewesen, meinte Hans-Peter Budmiger in seiner Laudatio, musste sie doch gegen Vorbehalte gegenüber ­einer weiblichen Bauvorsteherin ankämpfen. Mit ihrer Genauigkeit und Hartnäckigkeit habe sie viel bewegen können. «Sie hat das Rampenlicht nie gesucht, sondern sich in den Dienst der Sache gestellt». Die Gerühmte trat kurz ans Rednerpult und sagte, dass sie gefragt worden ist, ob sie ihr Amt vermissen werde. «Eigentlich nicht, dazu habe ich gar keine Zeit».