Ein junges Architekturbüro hat den Projektwettbewerb für den Um- und Anbau zum Roth-Haus in Muri gewonnen. Es schafft
als einziges einen direkten Bezug zur Klostermauer.

Das Projekt «intra muros» der Camponovo Baumgartner Architekten GmbH in Zürich thematisiert die Klostermauer: Die frühere Einfriedung der Klosteranlage wird aufgenommen, in dem der Anbau an das Roth-Haus direkt aus der Umfassungsmauer wächst. Der je nach Ansicht drei- bis viergeschossige Bau unter einem Satteldach erhalte so den kleinsten Fussabdruck und verbinde sich mit einem minimalen «Andockelement» mit den historischen Bau, schreibt die Jury in ihrem Bericht.
In Sichtbeton mit unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen gehalten, präsentiert sich der Bau monolithisch, wobei klar zwischen eher geschlossener Strassen- und offener Gartenseite unterschieden wird. Sämtliche Individualzimmer befinden sich im Altbau, wobei die Viererwohngruppe im EG, die Achterwohngruppen in den Obergeschossen Platz finden. Die übrigen Gemeinschaftsräume liegen im Neubau, der Haupteingang verbleibt im Altbau.

«Schon im Zuge des Baus der Beschäftigungsstätte im Jahr 2009 haben wir Überlegungen für die Zukunft angestellt», sagte Stiftungspräsident Harold Külling anlässlich der Präsentation der besten Projekte. Zusammen mit der Heimleitung sei man zum Schluss gekommen, dass der Betrieb nicht ausgeweitet werden solle. Man musste für die Zukunft aber von einer Anpassung des Raumprogramms ausgehen, speziell bezüglich Schaffung von Einzelzimmern. Die Möglichkeit eines Annexbaus auf dem Areal des einstigen Bühlerhauses mit direkter Verbindung zum östlich gelegenen Roth-Haus wurde schon früh in Betracht gezogen. Da das Roth-Haus unter Substanzschutz steht, zeigte sich rasch der Zielkonflikt: Wie gelingt es, die Vorgaben des Denkmalschutzes mit dem Anspruch der hohen Funktionalität und Wirtschaftlichkeit zu vereinbaren und gleichzeitig eine architektonisch-gestalterisch überzeugende Lösung zu finden?

Text von Thomas Kron

Mehr im «Freiämter» vom Freitag, 24. November 2017