Hiobsbotschaft für die Mitarbeiter der FOBOHA, die ihre Brötchen in Muri verdienen. Sie müssen sich ab sofort nach einer neuen Beschäftigung umsehen. Es ist der traurige Höhepunkt der vielen Veränderungen, die der Standort in den letzten Jahren erfahren hat.
Der Name AWM, so hiess die heutige FOBOHA früher, dürfte vielen in und um Muri noch ein Begriff sein. Über 250 Mitarbeiter wurden zu Spitzenzeiten beschäftigt. Über die Jahre ­haben dort unzählige Jugendliche ihre Lehre als Polymechaniker, Kunststofftechnologe, Konstrukteur oder kaufmännischer Angestellter absolviert. Nun scheint die Geschichte des Unternehmens unter amerikanischer Hand ein jähes Ende gefunden zu ­haben. Die 60 verbliebenen Arbeitsplätze gehen verloren.

«Dürfen keine Statements abgeben»

Etwas über die Hintergründe der Schliessung zu erfahren, ist schwierig. Angestellte des Unternehmens teilten dieser Zeitung zwar mit, dass ihnen gekündigt wurde, damit hat es sich dann aber auch schon mit den für die Öffentlichkeit gedachten ­Informationen. «Wir dürfen ausdrücklich keine Statements abgeben», heisst es auf Nachfrage bei
den ­Führungskräften vor Ort. Selbst ­allgemeine Auskünfte über das ­Unternehmen werden verweigert. ­
Es scheint fast so, als seien die Mitarbeitenden eingeschüchtert worden. Erst nach und nach sickern ­einige Details durch.
Tatsache ist, dass das Murianer Werk, das Spritzgussformen produziert, vor noch nicht einmal einem Jahr unter neue Führung gestellt wurde. Die amerikanische Barnes Group vermeldete am 12. Juli 2016, dass sie das Formenunternehmen (FOBOHA) der Adval Tech Holding übernimmt. Bis September waren alle Formalitäten erledigt. FOBOHA mit Sitz in Deutschland hatte zu ­diesem Zeitpunkt drei Produktionsstandorte in Deutschland, China und in der Schweiz (Muri). Nun soll letzterer geschlossen werden. Das Logo der Barnes Group war kein ganzes Jahr lang in Muri zu sehen.

Trotz schwarzer Zahlen kein Erbarmen

Warum man sich zu diesem Schritt entschlossen hat, kann nicht abschliessend geklärt werden. Die Freiämter Angestellten verweisen für nähere Informationen an eine gewisse Otto Männer GmbH, die ihren Sitz ebenfalls in Deutschland hat und zur Barnes Group gehört. Dort reagiert man auf eine Anfrage allerdings nicht. «Diese Massnahme ist notwendig, um konkurrenzfähig zu bleiben», sagte CEO Norbert Scheid vor einigen Tagen gegenüber der Luzerner Zeitung. Den Mitarbeitern will man anbieten, in anderen Niederlassungen weiterzuarbeiten. Die naheliegendste davon befindet sich in Au (SG) und ist über 140 Kilometer von Muri entfernt. Das Angebot dürfte also bei den wenigsten auf Interesse stossen.
Die definitive Schliessung ist der negative Höhepunkt der vielen Veränderungen, welche die ehemalige AWM erfahren musste. Im Jahr 2009 wurden bereits 70 Stellen gestrichen, Anfang 2010 wurde das Werk in Merenschwand geschlossen. 2014 erfolgte die Integration in die FOBOHA-Organisation, welche 2016 wie erwähnt von Advaltech an die amerikanische Barnes Group verkauft wurde.

Ein strategischer Entscheid

Den Mitarbeitern wurde noch ein Mitbestimmungsrecht eingeräumt, was an der Situation jedoch nichts geändert hat. In der Vergangenheit hatten die Angestellten offenbar mit Mehrarbeit zum gleichen Lohn den Standort retten können. Auf ähnliche Vorschläge ist die Führung diesmal nicht mehr eingegangen. Bereits wurden Mitarbeitende freigestellt. Die Verbliebenen regeln die Übergabe zum Standort in Deutschland.
Die Schliessung ist für die Betroffenen unverständlich, da man schwarze Zahlen geschrieben hat und der Betrieb voll ausgelastet war. Von oberster Stelle wurde gegenüber den Mitarbeitern auf einen strategischen Entscheid verwiesen. Was das heisst, kann sich jeder selber ausmalen. Reines Profitdenken ist allerdings kaum von der Hand zu weisen.