Eine Nacht in der Zentrale von «Nez Rouge» und unterwegs mit zwei Freiämter Fahrerinnen
Lange Nächte, anstrengende Gäste und keine Bezahlung. So könnte man sich die Arbeit für den Fahrerdienst «Nez Rouge» vorstellen. Der «Freiämter» hat ein Fahrerteam auf den nächt­lichen Diensten begleitet. Und es kam anders heraus als erwartet.

Während der Adventszeit und den Festtagen kann es rasch passieren, dass man mal einen über den Durst trinkt. Wer dann mit dem Auto unterwegs ist, kann sich bei Nez Rouge einen Chauffeur bestellen. Diese Dienstleistung ist kostenlos. In aller Regel sind die Hilfesuchenden aber sehr dankbar und zeigen das mit einem entsprechenden Trinkgeld. Dabei kommt im Schnitt rund ein Franken pro gefahrenem Kilometer zusammen. Bei einem normalen Taxi ist laut Fehlmann der Tarif etwa viermal höher und das Auto steht dann immer noch am selben Ort. Mit den Einnahmen werden die Fahrer entschädigt, die alle ihr eigenes Auto mitbringen, und die Betriebskosten werden damit gedeckt. Was übrig bleibt, wird jeweils einem gemeinnützigen Verein gespendet.
Erlebnisse werden ausgetauscht
Der Einsatzleiter ist mit Heinz Fehlmann auch der Präsident von Nez Rouge Aargau. Er ist um 20 Uhr als erster in der Zentrale in Lenzburg, startet die Computer und schaut, ob sich schon genügend Fahrer für den Dienst eingetragen haben. Seit 2017 geht dank Software vieles einfacher. Die Fahrer können sich nun selber online eintragen und sich zu Zweierteams zusammentun. Trotz Schneefall füllen sich auch während unseres Besuchs die letzten zwei der insgesamt 60 Fahrerplätze noch kurzfristig. Fehlmann kann jeweils einstellen, wie viele Teams er an einem bestimmten Tag wünscht. Drei Tage später an Silvester waren ganze 91 Zweierteams im ganzen Kanton unterwegs. Diese werden schliesslich von den Telefonisten in der Zentrale per SMS auf möglichst kurzen Wegen im Kanton umher geschickt.
Gegen 21.30 Uhr treffen die Fahrer der ersten Schicht in der Zentrale ein. An einem reichhaltigen Buffet, das von örtlichen Lebensmittelhändlern gespendet wird, kann man sich verpflegen und für die Nacht eindecken. Es handelt sich um Ware, die am selben Tag ablaufen würde, womit auch hier ein guter Zweck dahinter steht. Sind alle Teams eingetroffen, erwartet sie eine kurze Begrüssung des Einsatzleiters, danach warten alle auf ihren Einsatz.
Die Zahl an Freiwilligen, die bereitwillig ein Teil ihrer Freizeit während den Festtagen opfern, mag erstaunen. «Viele, die über die Festtage aushelfen, geniessen die Gesellschaft hier. Während sie für Nez Rouge arbeiten, haben sie sicher immer einen Gesprächspartner an der Seite, während sie zu Hause vielleicht alleine währen», erklärt Fehlmann. Viele haben aber auch einfach Spass an der Arbeit und am Fahren. Bei anderen steht die Freude im Vordergrund, anderen etwas Gutes zu tun.
In den meisten Fällen seien die Kunden freundlich und gesprächig und die langjährigen Fahrer haben so einige lustige Anekdoten zu erzählen. Negatives hört man nur wenig. Abgesehen von einem Zwischenfall mit einem roten Kater, gab es diesen Winter keinen Unfall. Sollte doch mal etwas passieren, sind alle Beteiligten und auch die Fahrzeuge mit Nez Rouge bestmöglich versichert.
Sobald die Telefone um 21.30 Uhr freigeschaltet werden, rücken die ersten Teams aus. Die zwei Nachbarinnen aus Bremgarten, Denise und Esther, sind heute gemeinsam hier. Die Zeit bis zu ihrem ersten Einsatz um 22.40 Uhr vergeht wie im Fluge. Bei geselliger Runde tauschen sich die Fahrer, die sich teilweise das erste Mal sehen, über ihre Erlebnisse aus. Da kommt es vor, dass man spezielle Autos fahren darf, selten auch solche in speziell schlechtem Zustand. Völlig klar ist, dass die Fahrer mindestens 24 Stunden vor ihrem Einsatz nichts trinken dürfen und dass nur Personen mit ihrem Fahrzeug transportiert werden.

Text Timo Bachmann / Bild zvg

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