Die Gemeinde Geltwil bleibt politisch unabhängig, die personellen Voraussetzungen dafür sind geschaffen.red

Die Gemeinde Geltwil kann politisch selbständig bleiben. Der seit Februar offene fünfte Sitz
im Gemeinderat ist besetzt, und für die zwei Ende Jahr frei werdenden Sitze sind Interessenten gefunden.

Nach Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft eines Schulangebots in Geltwil trat der damalige Vorsteher des Ressorts Finanzen, Josef Ithen, Ende Februar per sofort aus dem Gemeinderat zurück. Eine Gruppe Einwohner versuchte in der Folge, für die Ersatzwahl eine Kandidatur aufzubauen, was nicht gelang. Im ersten Wahlgang vom 21. Mai entfielen vereinzelte Stimmen auf nicht weniger als 16 Einwohnerinnen und Einwohner, das absolute Mehr schaffte wie erwartet niemand.

Die Meldefrist für den zweiten Wahlgang lief bis zum 31. Mai – ebenfalls ohne Erfolg. Nun begann die Zeit zu drängen. Sollte in der Nachnominationsphase ebenfalls keine Kandidatur resultieren, würde die Lage schwierig werden. Im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen vom 24. September werden nämlich zwei weitere Gemeinderatssitze frei: Gemeindeammann Daniel Appert und Gemeinderat Marco Suter verzichten auf eine Wiederwahl. Für eine weitere Amtszeit stellen sich Vizeammann Markus Senn und Gemeinderat Felix Enzler zur Verfügung.
Es machte sich eine erste Verunsicherung breit: Ende Mai sprach Gemeindeammann Daniel Appert gegenüber der «Aargauer Zeitung» bereits von der Gefahr der Zwangsverwaltung durch den Kanton. Einen seit über drei Monaten offenen Gemeinderatssitz, zwei auf Jahresende frei werdende Exekutivämter und gleichzeitig das Amt des Gemeindeammanns zu besetzen, wäre wohl ein schwieriges Unterfangen geworden. Die Meldefrist für die Gesamterneuerungswahlen läuft bis zum 11. August, endet also noch während der Schulsommerferien.

Thomas Kron
Falls in den nächsten Tagen keine Wahlbeschwerde eingeht, wird Thomas Kron auf den 27. Juni den seit über drei Monaten verwaisten fünften Geltwiler Gemeinderatssitz besetzen.

Zwangsverwaltung abgewendet

Diese Gefahr ist nun abgewendet. Nachdem der 59-jährige Journalist und Kommunikationsberater Thomas Kron aus beruflichen Gründen zweimal eine Kandidatur abgelehnt hatte, sieht er nun die Notwendigkeit ein: Kurz vor Ablauf der Nachnominationsphase am Dienstag vergangener Woche erklärte er sich bereit, das Amt vorerst für den Rest der Amtsperiode 2014/2017 zu übernehmen. Die zehn Unterschriften, die zu seiner Unterstützung im Dorf gesammelt und eingereicht werden mussten, waren rasch beisammen. Geht keine Wahlbeschwerde ein, ist er mit Datum vom 27. Juni in stiller Wahl gewählt.

Thomas Kron, der aus Muri stammt, begründet seine Zurückhaltung gegenüber einer Gemeinderatskandidatur mit einem möglichen Interessenkonflikt. Einerseits als Journalist und Kommunikationsberater unabhängig zu bleiben und sich andererseits als gewählter Gemeinderat gegenüber der Geltwiler Exekutive und den politischen Institutionen loyal zu verhalten, beurteilt er als schwierigen Spagat. Er gehört seit jeher keiner politischen Partei oder Gruppierung an.

Neue personelle Ressourcen

Die Schliessung der Gesamtschule Geltwil auf Anfang Juli hat für Geltwil zwar einen Kulturverlust zur Folge, setzt dafür aber personelle Ressourcen frei. Zwei der drei Mitglieder der amtierenden Schulpflege, welche auf Ende Jahr ihre Mandate aufgeben (müssen), haben sich bereit erklärt, für den Gemeinderat zu kandidieren. Es sind dies Schulpflegepräsidentin Corinne Arnold und Vizepräsident Michael Dürig. Kommen die beiden Kandidaturen bis zum 11. August zustande, ist die politische Selbständigkeit der Gemeinde Geltwil ab 2018 gesichert. Dennoch bleibt eine wichtige Frage offen. Denn weiterhin nicht gelöst ist die Frage der Kandidatur des Gemeindeammanns.