Fast vier Jahrzehnte lang hatte Leo Gomer den gesamten Boswiler Wasserfluss im Griff – vom Frischwasser im Reservoir bis zum Schmutzwasser in der Kläranlage. Dass er so lange geblieben ist, überrascht ihn selbst.

Wasserrohrbruch im Quartier, kein Wasser im Hause oder ein Leck in der Leitung. Egal, um welche wässrige Angelegenheit es sich handelte, in Boswil wurde immer Leo Gomer gerufen. Jedermann kannte den Bosmeler Wasser-Spezialisten im blauen Übergwändli. «Wasser war schon immer mein Metier», sagt Gomer, der gerade von einer längeren Camper-Reise zurückgekehrt ist. So viel Freizeit hatte er früher nicht. Denn schon mit 22 Jahren war er Inhaber eines Heizungs- und Sanitärunternehmens.
Genügend Druck muss sein
Mit seiner Tätigkeit in Boswil und der Region Freiamt lernten Leute und Behörden seine Arbeit kennen und schätzen. So war es naheliegend, dass man seine Fähigkeiten auch auf Gemeindeebene zu nutzen versuchte. Das war 1980, als er für das Amt
als Brunnenmeister angefragt wurde. Dieser ist verantwortlich, dass immer Wasser aus den Hähnen läuft, in den Hydranten genügend Druck vorhanden ist und Leitungspläne für Wasser immer nachgeführt werden.
Wasser, das war Leo Gomers Berufung und Leidenschaft. Die Zusage lag daher auf der Hand. Dass es dann gleich 37 Jahre werden, hat auch er nicht gedacht. Denn anfangs sei es alles andere als ein Zuckerschlecken gewesen. «Keine Pläne, Schieber nicht oder am falschen Ort eingezeichnet – es war zum Verzweifeln», sagt er rückblickend und lacht. So war er tagelang unterwegs, um Leitungen zu kontrollieren, auszumessen und nachzutragen. Dies vielfach auch nachts, denn Leckstellen konnte man nur während der nächtlichen Stille orten, einziger Sensor war damals noch das Ohr. «Es war trotzdem eine schöne Zeit», sagt er heute, wobei ein bisschen Wehmut dabei ist.

Text und Bild: Richard Gähwiler

Mehr im «Freiämter» vom Freitag, 3. November 2017