Schiffsführer Fritz Häusermann

Mit Schiffsführer Fritz Häusermann auf dem Hallwilersee unterwegs

Die Sommerferienzeit naht. Da lohnt sich ein Blick auf ein nahegelegenes Gewässer. Fritz Häusermann, der mehrere Jahre als Kantonspolizist in Muri stationiert war, erzählt von seiner Freizeittätigkeit als Schiffsführer auf dem Hallwilersee.

11.20 Uhr, das Motorschiff «Brestenberg» verlässt pünktlich die Anlagestelle «Seerose». Der Himmel ist an diesem Freitagmorgen leicht bedeckt, das Wetter sollte laut Prognosen aber freundlicher werden. Vielleicht zwei Dutzend Fahrgäste, Senioren und einige junge Familien, geniessen die Fahrt Richtung Anlegestelle «Delphin». Die «Brestenberg» ist das Flaggschiff der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee. 1990 gebaut, 84 Tonnen schwer, 34 Meter lang, ist es für 300 Personen zugelassen.

Seit 1969 dabei

Gesteuert wird das Schiff von Fritz Häusermann. Er kennt den See wie die eigene Badewanne. Er wohnt in Sarmenstorf, wenige Kilometer von Meisterschwanden, dem Standort der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee (SGH), entfernt. An seinem früheren Wohnort Seengen habe ihn ein SGH-erfahrener Kollege ermuntert, anzuheuern, erzählt er. Fritz Häusermann tat’s 1969, als es bei der SGH noch sehr familiär zuging.
Die Ausbildung zum Schiffsführer – bei der Berufsbezeichnung «Kapitän» handelt es sich um festangestelltes Personal – absolvierte der heute 63-Jährige in zwei Stufen. 1973 legte er die erste Prüfung für die Führung von Schiffen bis 100 Fahrgäste ab, 1976 folgte die zweite für Schiffe bis 500 Passagiere. Führen kann Fritz Häusermann somit alle fünf Schiffe der SGH.

Vier Jahrzehnte bei der Kantonspolizei

Der gelernte Sanitärinstallateur bringt jahrzehntelange Erfahrung im Polizeidienst mit. Von 1977 bis 1983 und von 1988 bis 2003 war er als Kantonspolizist auf dem Posten in Muri tätig, dazwischen versah er den Dienst bei der Autobahnpolizei. Ab 2003 bis Ende März dieses Jahres leistete er Dienst bei der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim. Während zehn Jahren leitete er als Gruppenschef-Stellvertreter die Alarmzentrale.
Die letzten vier Jahre, bevor er sich vorzeitig pensionieren liess, war er dem Dienst Sonderaufgaben zugeteilt und auf diesem Posten für die Bewilligungen für sämtliche Veranstaltungen welche auf Kantonsstrassen stattfinden, zuständig. Aufgrund seiner nautischen Ausbildung stand er während 20 Jahren auf dem Hallwilersee auch für die Gruppe Gewässerpolizei im Einsatz.
Seine Einsätze als Schiffsführer hat Fritz Häusermann nach der Pensionierung auf ein 30- bis 40-Prozent-Pensum aufgestockt. «Jetzt habe ich natürlich mehr Zeit für die Arbeit auf dem See», freut er sich, während er die Anlegestelle Seengen ansteuert.

Der Steuermann putzt auch

Insgesamt bietet die SGH drei verschiedene Rundfahrten an. Je eineinviertel Stunden dauert die «Reise» über den nördlichen bzw. den südlichen Teil des aargauisch-luzernischen Gewässers, die grosse, eindreiviertel Stunden dauernde Rundfahrt zu allen Anlegestellen wird während der Saison jeweils am Sonntag gefahren. Die Steuermannstätigkeit ist kein Schoggijob. Wer glaubt, dass die ganze Arbeit darin bestehe, das Schiff pünktlich von einer Anlegestelle zur andern zu bringen, irrt. Am Morgen, beim Antritt des Dienstes, ist der Schiffsführer auch für andere, weniger angenehme Aufgaben zuständig. Er reinigt Scheiben, füllt Gestelle auf und putzt auch die Toiletten. Für die Arbeiten während der Fahrten, dem sogenannten nautischen Dienst, stehen bei der SGH 38 Leute zur Verfügung, rund 50 Mitarbeitende sind es im gesamten Unternehmen. Bei fünf Personen handelt es sich dabei um «Festangestellte», der Rest leistet den Dienst als Hobby, also in der Freizeit. Das nautische Personal ist zuständig für das gefahrlose Zusteigen und Verlassen der Schiffe. Diese Mitarbeitenden bedienen am Kiosk, kontrollieren Tickets – und servieren dem «Kapitän» auch mal einen Kaffee.

Kaum Freiämter im Seetal

Als ehemaliger Kantonspolizist, der mehrere Jahre in Muri arbeitete und auch wohnte, kennt Fritz Häusermann das Freiamt und die Freiämter natürlich gut. Doch Ausflügler von der anderen Seite des Lindenbergs sieht er auf den Hallwilerseeschiffen äusserst selten. «Für die Freiämter ist das Seetal offenbar zu weit weg», meint er.
Unangenehme Passagiere, Unfälle oder gar gefährliche Situationen hat Fritz Häusermann in den langen Jahren seiner Tätigkeit auf dem ­Hallwilersee nicht erlebt. «Ab und zu müssen Wespenstiche behandelt werden, selten kommt es zu medizinischen Ereignissen», erzählt er. Dafür zuständig sind dann jeweils die Leute vom Innendienst, er selber stellt falls nötig die Kommunikation mit dem «Festland» sicher.

Freude über das Erlebte

Und wie urteilt Fritz Häusermann, wenn er auf das bisher Erlebte zurückblickt: «Die nebenamtliche Tätigkeit als Schiffsführer hat mir nebst dem üblichen Job stets Freude bereitet. Sie hat mich neben meinem weiteren Hobby, der Jagd, in all den vielen Jahren stets erfüllt.»
Die Rundfahrt ab «Seerose» via «Delphin», Seengen, Birrwil, Beinwil und zurück nach Meisterschwanden geht zu Ende. Fritz Häusermann wird diese Runde nochmals fahren und dann, nach der Mittagspause, um 15 Uhr wiederum auf der MS «Brestenberg» eine Extrafahrt mit 80 Personen absolvieren. Leider wird er auch dort keine Freiämter zu sehen bekommen …