Die Klassenzimmertüren stehen weit offen, die Kinder laufen aufgeregt und mit strahlenden Gesichtern im ganzen Schulhaus umher. Ein Lehrer fungiert als Fusstherapeut, eine Lehrerin lässt sich mit verbundener Stichwunde am Hals seelenruhig von Schülern frisieren. Was ist passiert?

«Die Stichwunde gehört zur Verkleidung», lacht Céline Roth, «meine Klasse hat die Geisterbahn organisiert.» Während den Mutigen in der aufwendig dekorierten und einfallsreich inszenierten Geisterbahn das Fürchten gelehrt wird, vergnügen sich andere mit Zocken im Spielcasino der Parallel-Mittelstüflern von Jane Bollinger. Der einarmige Bandit spuckt Gewinnchips aus, es wird gepokert und am Glücksrad gedreht. Das Unterstufen-Klassenzimmer von Christoph Kälin wurde zum Coiffeur- und Schminksalon, die Kinder sitzen mit Gurkenmaske im Gesicht, geniessen eine Fussmassage, lassen sich Nägel lackieren, coole Frisuren stylen und Tattoos machen. Grosser Andrang herrscht an der Mohrenkopfschleuder draussen und jeder will den Barfussparcours der Unterstufenklasse von Martina Lustenberger ausprobieren.
Wie ist das mitten im Schulalltag möglich? «Heute ist Schülerfest», erklärt eine Schülerin stolz, «wir haben alles selber organisiert!» Die Kindergärtler sorgten mit farbigen Wimpeln, Ballons und Girlanden für die passende Festdekoration in der Turnhalle, wo das Fest mit einer Ansprache durch zwei Kinder vom Schulparlament begann.
Genau dort wurde die Idee geboren. Lehrerteam und Schulleiter Stefan Woodtli standen von Anfang an dahinter: «Wir möchten die Kinder ernst nehmen und in die Verantwortung miteinbeziehen.» So würden sie erleben, dass sie etwas bewirken können. Im Schulparlament, das auch in anderen Gemeinden bereits feste Institution ist, sitzen aus jeder Klasse je zwei Abgeordnete. Auch der Kindergarten ist mit je einem Abgeordneten pro Abteilung vertreten. Getagt wird einmal im Monat. Die Kinder besprechen Themen, die das ganze Schulhaus betreffen und beispielsweise vom Klassenrat in das Schulparlament gegeben werden. Unterstützt werden sie dabei von einer Lehrperson oder wie hier in Aristau von Schulsozialarbeiterin Alexandra Gfeller. «Die Kinder können Ideen einbringen und ihre Schule direkt mitgestalten, sie lernen argumentieren, planen und organisieren», führt sie aus. In der Vergangenheit wurden beispielsweise die Pausenplatzspiele neu gemalt oder Regeln fürs Fussballspiel in der Pause erstellt. Die Klassenabgeordneten informieren dann jeweils ihre Klasse über die Ergebnisse.

Text und Bild von Heike Jirku

Mehr im «Freiämter» vom Dienstag, 7. November 2017