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Erhard Huwyler hat in fast 45 Jahren als Gemeindeschreiber in Beinwil viele Veränderungen mitbekommen
In diesem Mann steckt 100 Prozent Beinwil. Seine Verwur­zelung im Dorf und die Hingabe zu seinen Aufgaben machten aus Erhard Huwyler mehr als einen Gemeindeschreiber. Ein Berufener im Dienste einer Dorfgemeinschaft sozusagen. Ende Dezember geht er in den Ruhestand.

Damals war es ganz normal, dass die Kinder fleissig mit anpacken mussten im Metzgerei- und Wirtshausbetrieb der Eltern. Im Kreuz in Beinwil ging das ganze Dorf fast jederzeit ein und aus. Eine Sozialisierung, die Erhard Huwyler für seinen späteren Beruf prädestinierte und vielleicht auch Grund dafür war, dass aus Beruf Berufung wurde. Trotz der arbeitsreichen Jugend besuchte er die Bezirksschule, machte eine kaufmännische Lehre und absolvierte seinen Militärdienst. Mit 21 trat er 1973 seine Stelle als Gemeindeschreiber und Gemeindekassier, wie es damals noch hiess, in Beinwil an. Zu der Zeit wurden noch diverse verschiedene Rechnungsbücher geführt. Huwylers Aufgabe gleich zu Beginn war, die Einführung des ersten harmonisierten Rechnungsmodells für die Gemeinden. Das Büro war noch einfach eingerichtet, die Diskussionen drehten sich darum, welches Kohlepapier denn das beste wäre, die erste Kugelkopfschreibmaschine wurde gefeiert. Die Entwicklung über die Jahrzehnte brachte viele Erleichterungen im Büroalltag.
Komplexe Verwaltung
Die Anforderungen an die Verwaltungen stiegen indes ungeheuerlich. Die Fülle von Gesetzen, Anordnungen, Vollzugsrichtlinien und Normen hat extrem zugenommen. Das ist einer der Punkte, die Erhard Huwyler durchaus kritisch sieht: «Die Überregulierung schwächt die Eigenverantwortung und sie strapaziert die Verwaltungen enorm. Neue Vorschriften kommen fast im Wochentakt. A jour zu bleiben wird zur zeitintensiven Dauerbeschäftigung, bei der die eigentliche Arbeit ja noch nicht getan ist.» Auch die Digitalisierung hat Schwachstellen, so Huwyler: «Bürgernähe ist eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Miteinander. Einerseits überfordern digitale Lösungen immer noch viele Menschen und andererseits verringern sie auch den persönlichen Kontakt. Das ist zwar bequem, aber langfristig auch ein Verlust.»

Text und Bild Silvia Langenbacher

Mehr im «Freiämter» vom Freitag, 22. Dezember