Gemeinderat und Ortsbürgerkommission luden zum Waldumgang ein, der Forstbetrieb Region Muri gewährte der interessierten und zahlreich erschienen Bevölkerung einen Einblick in eine neben der Waldpflege und -bewirtschaftung weitere wichtige Kernaufgabe: Den Unterhalt der Waldstrassen. Eine, wie sich zeigte, nicht zu unterschätzende, anspruchsvolle und auch zeitaufwändige Arbeit.

«Unser Wald muss heute vielen Anforderungen und Bedürfnissen gerecht werden», begann Betriebsleiter und Förster Beat Bossert nach einer kurzen Begrüssung durch Ortsbürgerpräsident Hans-Peter Frey seine Ausführungen. Er diene als Erholungsraum für die Menschen, Lebensraum für Tiere und nicht zuletzt sei er zu bewirtschaftender Nutzwald. Vor allem zu diesem Zweck müsse der Wald mit einem Wegenetz erschlossen sein, welches natürlich gleichzeitig auch den Natur- und Erholungssuchenden dient. Diese wiederum stellen gewisse Erwartungen an den Zustand der Waldwege: Sie müssen gut begehbar sein, auch mit dem Kinderwagen, wünschen sich die Fussgänger. Es sollen keine Äste und grösseren Steine herumliegen, ist den Velofahrern wichtig.
64 Kilometer Waldwege pflegen
Insgesamt müssen auf den 675 Hektar öffentlichen Wald und 200 Hektar Privatwald, die zum Forstbetrieb der Region Muri gehören, stolze 64 Kilometer Waldwege unterhalten werden. Dies bedeutet jedes Jahr 50 000 bis 60 000 Franken Ausgaben und 457 Stunden Arbeit nur für den Unterhalt des Waldstrassennetzes. Grund genug für Beat Bossert und sein Team, dies am vergangenen Samstag zu thematisieren und die wichtigsten Unterhaltsarbeiten anhand verschiedener Demonstrationen im Wald zu veranschaulichen. Beim zweistündigen Rundgang wurde schnell klar, dass ein Forstwart heutzutage mit mehr Maschinen umgehen können muss als nur mit Motorsäge und Gertel.
«Würde man der Natur freien Lauf lassen, käme man innerhalb kurzer Zeit fast nicht mehr durch», erläuterte der erfahrene Förster. So gehöre es zum laufenden Unterhalt, das Bankett zu mulchen und abzuranden, das heisst, sämtliches Grünzeug am Strassenrand, welches in die Strasse hinein wächst, zu beseitigen. Auch das schön raschelnde Laub im Herbst müsse weggeräumt werden, da dieses nur sehr langsam verrotte und im Winter verfaulen würde. «Zudem muss dafür gesorgt werden, dass das Wasser nach starken Regenfällen gut ablaufen kann, das heisst, Querabschläger müssen kontrolliert und geöffnet sowieAbflussrohre freigemacht werden.» Periodisch anfallende Arbeiten bestehen darin, den Strassenrand von hereinwachsenden Ästen und Straüchern freizuschneiden und von Zeit zu Zeit muss eine neue Verschleissschicht aufgetragen werden.
Allein das Mulchen der 64 Kilometer auf beiden Strassenseiten dauert mit dem Traktor hin und zurück zehn Tage. Schnell wurde klar, dass es zeitlich fast nicht möglich ist, alle Strassen täglich abzufahren und zu kontrollieren.
Eschenwelke und Borkenkäfer
Nach den Erläuterungen von Forstwart Andreas Wirth zum Aufbau des Strassenkörpers wies Förster Beat Bossert auf ein seit ungefähr zehn Jahren zu beobachtendes, trauriges Phänomen hin. Die Esche, die zweithäufigste Laubbaumart in der Schweiz, ist aufgrund eines sich schnell ausbreitenden Pilzes in einem sehr schlechten Zustand. Befallene Bäume jeglichen Alters sterben ab, fallen schliesslich um oder müssen gezielt gefällt werden. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden die Eschen vielleicht ganz verschwinden. Hinzu kam dieses Jahr wieder eine grosse Massenvermehrung des Borkenkäfers, sodass viele befallene Bäume abgeholzt werden mussten und weitere grosse Lücken im Bestand entstanden sind. Dies hat die nächsten Arbeiten zur Folge: die Neuanpflanzung im Frühling.
Zeitsparende Maschinen
Mehr im «Freiämter» vom Dienstag, 19. September 2017