«Chlausen und Schmutzlen» sind anspruchs- und verantwortungsvolle Aufgaben. Vor allem für die Kinder soll der Besuch ein freudiges, besinnliches Ereignis sein und lange in guter Erinnerung bleiben.

Samichlaus zu sein, ist nicht leicht. Bei den Hausbesuchen arbeitet man sozusagen zuvorderst an der Front. Erlebt aber auch viele schöne und unvergessliche Momente. Qualitativ hochstehende Chlausbesuche sind der St. Nikolausgruppe Kolping Muri wichtig. Deshalb veranstaltet sie jährlich eine obligatorische Schulung. Das heisst, auch Chläuse müssen die Schulbank drücken, denn der Samichlaus ist eine würdevolle Erscheinung mit grosser Verantwortung und Vorbildfunktion. «Jeder Chlaus ist anders, den perfekten gibt es nicht. Wichtig ist nur, ob er in positiver oder negativer Erinnerung bleibt», sagt Schulungsleiter oder besser «Klaus-Lehrer», Philipp Staubli. Jeder Hausbesuch ist anders, einzigartig und immer eine neue Herausforderung. Der Lohn für die Chlausarbeit sind aufregende Erlebnisse, viele strahlende Kinderaugen und eine tiefe persönliche Befriedigung.

Samichlaus ist immer noch eine der wenigen Männerdomänen in der heutigen Zeit. Schmutzli kann man vielerorts auch als Frau werden, Samichlaus hingegen nicht. In Muri gibt es auch keine weiblichen Schmutzlis, denn die Kinder würden trotz der Verkleidung erkennen, dass es sich um eine Frau handelt, so Staubli. Zumal der Schmutzli keine Angst machen soll, sondern wenn möglich in das Gespräch mit einbezogen werden sollte. Spätestens dann würden bei einer hohen Frauenstimme Fragen aufkommen. Um die Authentizität aufrechtzuerhalten, ist Chlaus und Schmutzli ein echter Männerberuf in Muri. Empathisch, umgänglich und einfühlsam muss Mann sein, um die Clauslaufbahn als Schmutzli zu starten. Diese Rolle wird drei bis vier Jahre lang ausgeführt, um anschliessend, wenn gewünscht, ins rote Kostüm umzusteigen. «Das ist wie in einem Sportverein. Guter Nachwuchs muss herangezogen werden», erklärt Philipp Staubli.

Als Samichlaus bringt man Licht und Wärme in die Stube. Es geht darum, Freude zu verbreiten, nicht zu tadeln oder zu werten. Die Erziehung eines Kindes kann sich in zehn Minuten nicht um 180 Grad kehren. Schon überhaupt nicht durch einen kettenrasselnden, knurrenden und angsteinflössenden Schmutzli, der die Rute schwingt. Der Schmutzli ist heute der treue Begleiter und Gehilfe des Samichlaus. «Ein Samichlaus droht nicht, er macht Verbesserungsvorschläge», betont Staubli. Deshalb sei es sehr wichtig, das Gute im Gespräch herauszufiltern. Einen Coaching-Ansatz zu geben, indem das Kind gefragt wird, was es besser machen könnte. Das Versprechen zur Besserung sollte nicht dem Samichlaus gegeben werden, sondern der Mutter oder dem Vater. Am besten noch besiegelt durch einen Handschlag oder einen Kuss. Denn der ­Samichlaus bringt Liebe, Freude und Frieden zu den Menschen.

Text und Bild Susanne Schild

Mehr im «Freiämter» vom Dienstag, 5. Dezember 2017