Immer am Montagnachmittag treffen sich jüngere und ältere Senioren im Begegnungsraum des Postlonzihus zum Jass.

In Merenschwand ist der Montag auch Jasstag – ein Besuch im Postlonzihus
Wo gejasst wird, da lass dich ruhig nieder. Im Postlonzihus in Merenschwand gilt das schon seit Jahrzehnten, immer am Montag. Nur sollten noch einige jüngere Jahrgänge mitmachen.

Montagnachmittag, die Zeiger der Pfarrkirche St. Vitus rücken gegen 13.30 Uhr vor. Vor dem Postlonzihus treffen einige Senioren ein, vor allem Frauen. Die Wärme wird unangenehm, die Gruppe flüchtet in den Begegnungsraum im Erdgeschoss, wo man traditionell zum Wochenanfang den Nachmittag gemeinsam verbringt. «Do ine esch es ned so heiss», sagt eine Frau.
Hier trifft sich kein Verein, sondern jüngere und ältere Leute im Pensionsalter in einem ungezwungenen Rahmen, es wird gejasst. Heute sind es lediglich 13 Leute: «Ginette fehlt», stellt jemand fest. Es bilden sich drei Vierergruppen, an einem der Tische schickt man sich an, zu fünft zu spielen.

Ein grüner, ein roter und ein beiger Jassteppich liegen, die Karten werden verteilt, die Gespräche verstummen, von der Bremgartenstrasse her hört man ab und zu einen Lastwagen vorbeirauschen. «Gespielt wird jede Jassart», erklärt Monika Käppeli-Küng dem anwesenden Medienmann. Sie gehört zusammen mit Erika Hummel dem gegenwärtig reduzierten Team an, welches für die wöchentliche Organisation verantwortlich ist. Entsprechend fällt auch die Sprachregelung aus. «Mache obenabe», sagt eine konzentriert in ihre Karten blickende Frau. «Han es Drüü vom Eichle-Achti», verkündet ein Mann am anderen Tisch. «Jetz isch ondedore», tönt es aus der Runde der übrigen Vierergruppe. Hier ist sogar möglich, was bei Profijassern nicht infrage kommt: «Chasch au retour schiebe.»

Eine lockere Atmosphäre

Die Teilnehmenden sehen die Sache allgemein nicht zu eng. Ab und zu gibt es eine kurze Konversation, die mit der augenblicklichen Tätigkeit nichts zu tun hat. Oder es fällt ein humorvoller Spruch, wenn’s mal nicht gleich weitergeht: «Chönd mer dir hälfe?», fragt eine Jasserin ihren krampfhaft überlegenden Gegner. «Jo, s Eichle-Sächsi hätt i gern.» Der erste Teil des Nachmittags gehört also dem Kartenspiel. Kredenzt wird in dieser Phase nur «Hahnenburger», gegessen wird später.

So gegen 15.30 Uhr ist es soweit, es werden Kaffee und Kuchen auf den Tisch gestellt. Je nach Anlass, beispielsweise im Zusammenhang mit einem Geburtstag, den es zu feiern gilt, wird ein Zvieri gespendet. Serviert werden dann beispielsweise Weggli-Sandwiches, dazu ein Getränk, welches das Merenschwander Leitungswasser ersetzt.

Den Jassnachmittag gibt es in Merenschwand seit Jahrzehnten. Monika Käppeli mag sich zurückerinnern in die 1970er-Jahre, als sich ältere Frauen zum Basteln und «Lismen» trafen. Diese Freizeitaktivitäten waren im Wandel der Zeit aber immer weniger gefragt. Es folgte ein fliessender Übergang, das Jassen trat seinen Siegeszug an. Heute wird im Begegnungsraum ausschliesslich dem Nationalsport gefrönt.

Die Leiterin des Nachmittags beurteilt das Jassen als eine ideale Freizeitbeschäftigung, um sich im Alter geistig fit zu halten und Gemeinschaft erleben zu können. Ihr grosses Anliegen ist es, dieses Angebot vermehrt ins Bewusstsein der jüngeren Merenschwander Jahrgänge zu tragen. Nicht ohne Grund: Die Gruppe ist in den letzten Jahren von 21 auf 14 Leute geschrumpft, einige sind gestorben, andere aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr imstande, dabei zu sein. Ein Aufruf im «Anzeiger für das Oberfreiamt» habe leider nicht den erhofften Erfolg gebracht.

Mit einem Fünfliber dabei

Eine Frage des Geldes ist das Mitmachen jedenfalls nicht. Wer sich an den Jassnachmittagen beteiligt, zahlt jeweils einen Fünfliber, damit werden die Ausgaben für die Verpflegung bestritten. Was Ende Jahr an ­finanziellen Mitteln übrig bleibt, wird mit einem Essen in der «Sonne» bei Theres Lustenberger in Benzenschwil aufgebraucht. – Es ist bei den Merenschwander Senioren eben so, wie man es schon im Voraus ahnen kann – ein abgekartetes Spiel.