Liebende Schmetterlinge, hingebungsvolle Musiker, verzücktes Publikum: «honig süss» war der Auftakt zum Boswiler Sommer.

«In Schmetterlinge verwandelt, steigen beide aus dem Grab und fliegen gemeinsam der Sonne entgegen», ­erzählt Andreas Fleck. Ein entzücktes «Ah!» geht durchs Publikum. Der künstlerische Leiter des Musikfestivals Boswiler Sommer hat soeben die chinesische Legende der «Butterfly Lovers» erzählt: Die tragisch schöne Geschichte zweier Liebender, ähnlich derjenigen von Romeo und Julia. Hier sind es Zhu, Tochter einer reichen Familie und der arme Gelehrte Liang, die ihre Liebe nicht leben ­dürfen, deren Geister am Ende als Schmetterlinge vereint sind.
«Butterfly Lovers» ist eines der bekanntesten Volksmärchen Chinas. Die beiden chinesischen Komponisten He Zhanhao und Chen Gang ­haben 1959 ein Violinkonzert komponiert, das zu einem der berühmtesten Orchesterwerke der chinesischen Musik gehört.

Schweizer Uraufführung

In der Schweiz ist das Stück am letzten Samstag erstmals aufgeführt worden, im Rahmen des ersten Konzerts des Boswiler Sommers 2017. Mit ­diesem Auftakt ist das Musikfestival seinem diesjährigen Motto «Delikatessen» vollumfänglich gerecht geworden. Die unverkennbar asiatischen Klänge haben das Publikum verzückt. Solist Xiaoming Wang spielte die Violine mit grosser Hin­gabe, Gefühl und Präzision.
Das Zusammen- und Wechselspiel mit dem Ensemble CHAARTS funktionierte wunderbar – ein ­wahrer Ohrenschmaus. Der Abend «schmeckte» von Anfang an. Im ­ersten Teil des Abends mit dem Titel «honig süss» spielten CHAARTS und der Klarinettist Sebastian Manz das Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622 von Wolfgang Amadé Mozart. Auch hier harmonierten Musiker und Solist zauberhaft. Sebastian Manz überzeugte mit Leichtigkeit und Emotionalität in seinem Spiel.

Stehen statt sitzen

Zum Ausklang des Abends spielten CHAARTS die Sinfonie Nr. 83 g-Moll «La poule» von Joseph Haydn. Dieses Ensemble allein ist eine Delikatesse, die in der Boswiler Sommer-Woche mehrmals genossen werden kann. Die Wechsel von kaum hörbaren ­Pianissimi zu satten Fortissimo-Klängen verursachen Gänsehaut. Zudem spielt das Ensemble unglaublich präzis. Ungewohnt war, dass die Musikerinnen und Musiker den ersten und den dritten Teil des Konzerts im Stehen spielten. Die Musik klinge aufgrund der veränderten Körperhaltung anders, wenn im Stehen gespielt werde, erklärte mir ein Mitarbeiter während einer kurzen Umbaupause.
Für mich war dies ungewohnt, aber spannend zu hören und zu sehen. Doch nicht bei allen kam das Spielen im Stehen gut an: «Die Musik ertönt über meinen Kopf hinweg», kritisierte eine Zuhörerin. Alles in allem hat der Konzertabend gemundet. Das Publikum hat lange und laut geklatscht, und mit Stampfen und Begeisterungsrufen sogar eine Zugabe erwirkt.
Bis Sonntag, 9. Juli, erklingen in Boswil musikalische Delikatessen, von «erdig pikant» über «schwelgend sinnlich» bis «verzuckert opulent» – «en Guete!» Weitere Informationen unter www.kuenstlerhausboswil.ch.