«Willkommen in der Schweiz!» beleuchtet die Vorgänge rund um die Asylfrage in Oberwil-Lieli von vor zwei Jahren. Das Kino Mansarde zeigte diesen Film und lud Regisseurin Sabine Gisiger zu einem Gespräch. Objektivität war ihr wichtig, wie sie betonte.

Als die Gemeinde Oberwil-Lieli im Sommer 2015 aufgefordert wird, zehn Migranten aufzunehmen, weigert sich SVP-Nationalrat und Gemeindeammann Andreas Glarner gegen die ­Absicht des Kantons. Johanna Gündel, Studentin und Tochter eines lokalen Gemüsebauern, organisiert mit der IG Solidarität den Widerstand gegen diese Nein-Politik. Derweil steigt der Gemeindepräsident prompt zum Nationalrat und Migrationschef der SVP auf. Susanne Hochuli, die im Aargauer Regierungsrat für die Unterbringung der Asylsuchenden zuständig ist, befürchtet, dass Xenophobie und ideo­logisches Denken am Finden kluger Lösungen hindern. Nach mehreren Monaten der politischen Verhandlungen, einem Referendum und einer Volksabstimmung siegt schliesslich der Kompromiss: Das Dorf einigt sich, eine syrisch-christliche Familie aufzunehmen, weitere fünf Asylsuchende in der Nachbargemeinde unterzubringen und ein Hilfswerk in Griechenland mit 50 000 Franken zu unterstützen.

Die Schweizer Dokumentarfilmerin Sabine Gisiger begleitete die Protagonisten dieser Geschichte für ein Jahr, um die Gründe besser zu verstehen, welche diese Angst vor einigen wenigen Flüchtlingen auslösen. «Ich habe mich bewusst dazu entschieden, den Fokus des Films nicht auf die Flüchtlinge zu legen, sondern unsere Schweizer Gesellschaft ins Zentrum zu rücken und zu veranschaulichen, wie wir mit der Krise umgehen.»
Gisiger dokumentiert die Vorgänge in Oberwil-Lieli, ohne für eine Seite Stellung zu beziehen. Ein Beweis für die objektive Herangehensweise ist die Tatsache, dass sich sogar Andreas Glarner nach der Filmpremiere zufrieden zeigte. «Die Protagonisten hatten Zutritt zum Schneideraum. So konnten wir sicherstellen, dass von niemandem ein subjektiv falsches Bild im Film erzeugt wurde», meint Gisiger. «Politische Filme hatten es schon immer schwer im Kino. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir in einigen Jahrzehnten mit Kopfschütteln und leichtem Schmunzeln über die Schweizer Sturheit immer noch unsere Lehren aus dem Film ziehen können.»

Text Philipp Knecht

Mehr im «Freiämter» vom Dienstag, 5. Dezember 2017