Seit dem durchschlagenden Erfolg von einem seiner Youtube-Videos ist der Freiämter Stefan Wehrli in aller Munde. Der «Freiämter» sprach mit ihm über seine Arbeit und seinen neuen Bekanntheitsgrad. Dabei bewies der Youtuber, dass sich seine Talente keineswegs nur darauf beschränken, lustige Videos zu produzieren.

Stefan Wehrli aus Beinwil ist ein Youtube-Star. Zumindest wird ihm dieser Titel seit etwa zwei Monaten zugeschrieben. Grund dafür ist ein Video von ihm, das bezüglich Klickzahlen förmlich explodierte. Knapp zwei Millionen Aufrufe hat das Video mit dem Titel «Kissing Girls Feet» ­aktuell schon auf Youtube. Damit hat er seinen eigenen Rekord gebrochen, der zuvor bei 35 000 Aufrufen an ­einem Tag lag und er wurde quasi über Nacht zum wohl erfolgreichsten Youtuber der Schweiz.
Der Erfolg kam für den 24-Jährigen nicht ganz unerwartet. Schon seit Jahren veröffentlichte er Videos auf Youtube, dabei hatte er immer im Hinterkopf, dass er damit eines Tages etwas erfolgreicher werden könnte.
Über Nacht zum «Star»
Trotzdem war es eine erfreuliche und unverhoffte Überraschung, als sein Video innerhalb von nicht einmal 24 Stunden nach dem Upload viral ging und in dieser Zeit rund eine Million Mal angeklickt wurde. Durch eine Whatsapp-Nachricht eines Freundes, erfuhr Wehrli, dass er in «20minuten» zu sehen sei. Auch wurde er von anderen Passagieren im morgendlichen Zug gefragt, ob nicht er der sei, welcher auf der Facebookseite von «20minuten» zu sehen sei. Das ging so schnell, dass er nicht einmal dazu kam, seinen Youtube Kanal zu checken.
Eine bekanntere Facebookseite hatte sein Video verlinkt, wodurch es sich schliesslich in Windeseile verbreitete. Die Seite gibt es mittlerweile nicht mehr. Es ist zu vermuten, dass sie wegen zu vielen Copyright-Verletzungen gesperrt wurde, denn auch Stefan Wehrlis Video hatten sie ohne vorheriges Einverständnis von ihm verwendet.
Trotz des aktuellen Rummels um seine Person – er sitzt wohl bald bei Kurt Aeschbacher – bleibt der Youtuber auf dem Boden. «Ich möchte gerne auf Augenhöhe mit den Menschen sein», sagt er. Daher habe er etwas Mühe damit, wenn Leute nun plötzlich zu ihm aufschauen und ihn als Star bezeichnen. Aber das bringe natürlich auch viele Vorteile mit sich. Die grössere Bekanntheit und die vielen neuen Kontakte, die Wehrli dadurch schliessen kann, kommen ihm für alle seine Projekte zugute. Ein spezielles Gefühl ist es schon: «Hunderttausend Menschen auf einem Haufen kann man sich noch knapp vor Augen führen, aber eine Million Zuschauer übersteigt meine Vorstellungskraft und ich kriege jedes Mal Gänsehaut, wenn ich es versuche.» Den Lebensunterhalt kann er mit Youtubevideos nicht bestreiten. Die Einnahmen decken noch nicht einmal die Investitionen, die er tätigt, wie aktuell zum Beispiel eine neue Kamera. Viel wichtiger seien für ihn die nicht monetären Werte seiner ­Arbeit. Neben Eigenwerbung für sich und seine Firma «Lensbreak Studios», hat er dabei viel gelernt, das ihm in diversen Bereichen des Lebens hilft. Allem voran übt er damit, über seinen eigenen Schatten zu springen und proaktiv auf Leute zuzugehen.
Magie nur ausserhalb Komfortzone
Nicht immer war der Beinwiler so wagemutig, wildfremde Menschen auf der Strasse anzusprechen und zum Lachen zu bringen. «Am Anfang brauchte es schon etwas Überwindung», erinnert er sich, als er von seinen ersten Gehversuchen mit unveröffentlichten Prank-Videos im Klosterpark Muri erzählt. Prank ist nicht genau ins Deutsche übersetzbar, denn ein Prank ist im Gegensatz zu einem Streich, laut Definition ausschliesslich positiv. Für die Horrorstreiche, bei denen sich die Opfer zutiefst erschrecken, hat er gar kein Verständnis. «Ich will einen Gegentrend dazu setzen und möchte mit meinen Videos den Leuten eine Freude bereiten.» Immer wieder zwingt er sich, seine Komfortzone zu verlassen, weil er überzeugt ist, dass erst ausserhalb derselben die wirkliche Magie geschehen kann. So hat er mittlerweile seine Schüchternheit abgelegt und ein feines Gespür für die Menschen und die konkreten Situationen entwickelt. In der ganzen Zeit seiner Arbeit sei es noch nie vorgekommen, dass jemand aggressiv oder gar gewalttätig reagiert hat.

Mehr im «Freiämter» vom Freitag, 22. September 2017